Einer der großen Trends der letzten Jahre lautet: Alle möchten zurück zur Natur. Natürlich bloß nicht zu Fuß und auch nicht zu weit, schließlich möchte man ja schnell wieder im beheizten Wohnzimmer auf der Couch entspannen. Was liegt da also näher, als die Natur nach Hause zu holen? Gut, jetzt nicht unbedingt ins Haus, das würde dann doch zuviel Schmutz, Ungeziefer und Aromen von verdorrten Pflanzen mit sich bringen. Aber wie wäre es mit einem eigenen Biogarten? Einmal angelegt, benötigt dieser kaum noch eigenen Pflegeaufwand und sehr bald schon sprießt und grünt es aus allen Ecken. Der heimische Insektenbestand freut sich auch immer über neue Brutplätze und Aufenthaltsorte. Mit dem kostenfreien Nebeneffekt, dass Sie Ihren Haushalt gleich um eine Vielzahl putziger Kleinstlebewesen erweitern. Also, worauf warten Sie noch? Lassen Sie uns einen Biogarten anlegen!
Vorgehensweise
Zur Anlage eines Biogartens ist es vorteilhaft, wenn bereits ein handelsüblicher Garten vorhanden ist. Selbst wenn dieser über einen akkurat geschnittenen Rasen, sorgfältig getrimmte Rasenkanten und einheitlich angelegte Beete verfügt. Keine Angst, solche Zustände werden uns nicht lange behindern. Oberste Priorität bei der Anlage eines Biogartens lautet: der Natur ihren Lauf lassen. Und bevor Sie jetzt wild in die Landschaft urinieren – die Aussage bezieht sich ausschließlich auf die Gartengestaltung!
Grundlage für jedes gelungene Bio-Reservat ist ein nährstoffreicher Bodenbelag. Er sollte aufgelockert, aber nicht zu weich sein und kann gerne mit natürlichem Dünger behandelt werden. Der örtliche Landwirtschaftsverband ist Ihnen bei der Beschaffung des geeigneten Belags sicher gerne behilflich.
Ist der Boden erstmal freihändig verlegt und gedüngt, geht es an die Bepflanzung. Hier sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt, solange man sich gut genug im Griff hat, um der preußisch-korrekten Ausrichtung der Rosenstauden und dem geometrisch einwandfreien Schnitt der Gartenhecke zu widerstehen. Wenn nämlich eines im Biogarten tabu ist, dann ist es gewollte Ordnung. Man könnte sagen, man schafft einen der letzten Rückzugsorte für biologische Anarchie.
Gut eignen sich Pflanzen, die schnell wachsen und eine bunte Vielfalt in den Garten bringen. Auch exotische Flora ist sehr beliebt. Bonsais scheiden hier jedoch aus, es sei denn, ihre Gartenfläche ist wirklich sehr klein. Auch abzuraten ist von Schlingpflanzen, giftigen Beerensträuchern und Stachelpalmen. Letztere sind zwar nicht gesundheitsschädlich, sehen aber einfach nicht schön aus. Und sie pieksen. Eine umfangreiche Auswahl an Pflanzen hält das nächste Gartencenter für Sie bereit, dort können Sie sich auch ausführlich beraten lassen.
Bio ohne Garten?
Was aber, wenn Sie über gar keine Gartenfläche verfügen? Wenn Ihr Haus sich mitten in der Innenstadt oder die Wohnung sich im elften Stock eines Hochhauses befindet? Keine Sorge, auch dafür gibt es Möglichkeiten, sofern ein ansatzweise nennenswerter Balkon vorhanden ist. Da der Balkonboden in der Regel gemauert ist, kommt Erde als Belag eher nicht in Frage, da sie auf Beton schlecht anwächst. Besser geeignet ist locker gesiebter Sand, welchen Sie im gut sortierten Baustoffhandel erwerben können. Hier empfiehlt es sich, gleich ein paar Säcke auf Vorrat zu ordern, denn bei Wind oder Sturm weht der Belag schon mal schnell zum Nachbarn und muss daher gelegentlich aufgefüllt werden.
Pflanzentechnisch sollten Sie sich auf Topf- und Blumenkastenpflanzen beschränken. Also beispielsweise Geranien oder Petunien. Diese machen ein buntes Bild und dürfen dann gerne auch wild durcheinander wachsen. Weniger geeignet sind Kokosnüsse, Apfelbäume oder Spargelbeete. Wenn Sie jetzt noch das Balkongeländer mit Sichtschutzmatten aus Bambus oder Weide verkleiden, sind Sie schon sehr nahe dran an Ihrer eigenen, persönlichen Oase im Grünen.
Wissenswertes
Wie eingangs erwähnt ist ein Biogarten auch immer ein besonderer Anziehungspunkt für Insekten aller Art. Wer seine neue Wohlfühl-Oase mit einem weiteren Trend der letzten Jahre kombinieren möchte, kann hier auch unterstützend tätig werden. Immer mehr Menschen gehen unter die Hobby-Imker und siedeln Bienenvölker im heimischen Garten an. Gleichzeitig sorgt dies auch für einen fortlaufenden Bestand an schmackhaftem und völlig unbehandelten Honig. Hier ist allerdings darauf zu achten, dass Sie auch wirklich nur ausgebildete Honigbienen rekrutieren, keinesfalls die deutlich unbeliebteren Wespen. Ganz zu schweigen von den erheblich gefährlicheren Hornissen, die zwar einen sehr lauten, beruhigenden Brummton erzeugen, ansonsten aber keinesfalls beruhigend daher kommen. Außerdem sorgen Hornissen schnell und zuverlässig dafür, dass außer ihnen keine weiteren Insekten den Garten bevölkern. Wir raten daher dringend von dieser Art der Haustierhaltung ab. Bienen jedoch sind allseits beliebt, sogar bei den lieben Nachbarn. Na ja, bei den meisten.