… oder ein Baumhaus bauen


Baumhaussiedlung nahe Gütersloh

In Zeiten von Wohnungsknappheit und ständig steigender Mieten ist ein Baumhaus nicht nur für im Garten spielende Kinder geeignet. Wer sich die explodierenden Preise beim Hausbau nicht mehr leisten kann oder will, kommt mit einem eigenen Baumhaus kostengünstig und zugleich naturverbunden zu einem gemütlichen Eigenheim.

Es gibt allerdings einige Dinge zu beachten, bevor Sie nach einem harten Arbeitstag (wahlweise auch außerhalb des Waldes) am Abend in Ihre gemütliche Holzhütte klettern und den Geräuschen des Waldes lauschen können. Zunächst gilt es, das Konzept des Baumhauses zu verinnerlichen: Baumhäuser werden auf Bäumen errichtet, nicht neben Bäumen. Im Foto oben ist gut zu erkennen, was bei unsachgemäßer Planung sonst entsteht – eine Baumhaussiedlung auf Erdniveau, welche u. a. keinerlei Schutz vor Sturzfluten, jagenden Raubtieren oder neugierigen Nachbarn bietet. So also bitte nicht!

Wie es richtig gemacht wird, erfahren Sie in den folgenden Absätzen.

Vorgehensweise

Baumhäuser gibt es in allen möglichen Größen und Ausbaustufen. Vom äußerst kostengünstigen Einraumbaumhaus für Singles ohne hohe Ansprüche über Mittelklasse-Lodges, in denen auch eine komplette Musterfamilie untergebracht werden kann bis hin zu edlen Baumhaus-Mansions, die jeglichen erdenklichen Luxus beinhalten.

Im späten Mittelalter hatte sich bereits ein Vorläufer des heutigen Baumhauses etabliert, die sogenannte “Baumfestung”. Da der logistische Aufwand zur Errichtung und Verteidigung einer solchen Anlage heutzutage aber in keinem Verhältnis mehr zum mittleren Jahreseinkommen eines durchschnittlichen Angestellten steht, wurde diese Bauform im weiteren nicht mehr berücksichtigt.

Die Vorgehensweise zum Baumhausbau unterscheidet sich teils erheblich, abhängig von der beabsichtigten Größe und Ausstattung. Auch die Folgekosten nach Fertigstellung des Gebäudes variieren teilweise stark. Hier nun die beispielhafte Auflistung der erforderlichen Materialien.

Für die Variante “Einraumbaumhaus” benötigt man:

  • 1 Baum, möglichst gesund und kräftig
  • eine gute Handvoll Bretter, möglichst nicht allzu morsch
  • 1 Laubsäge
  • der vorherige Punkt war Spass, natürlich keine Laubsäge, sondern eine Motorsäge
  • Nägel. Viele Nägel. Und ein Hammer
  • Ein Leiter oder ein Seil für den Einstieg in das fertige Baumhaus
  • Geschätzte lfd. Kosten / Jahr: Keine. Sie werden es dort eh nicht lange aushalten

Für die Variante “Mittelklasse-Lodge” benötigt man:

  • 4 – 6 Bäume. Sinnvollerweise gleich nebeneinander
  • 1 – 2 LKW-Ladungen fangfrischer Fichtenbretter, entgratet
  • 2 baulich versierte Handwerker, ggf. auch Förster mit handwerklichem Geschick
  • Nägel, Schrauben, Kabelverbinder, Satellitenschüssel und weiteres Zubehör nach Bedarfsermittlung der Handwerker
  • eine formschöne, gedrechselte Wendeltreppe aus Buchen- oder Eichenholz
  • Geschätzte lfd. Kosten / Jahr: 6.000 bis 8.000 Euro für angenagte Stromkabel, zu leerende Sickergruben und herabgefallene Staubsaugerroboter

Für die Variante “Baumhaus-Mansion” benötigt man:

  • ca. 3 Hektar Wald, mit freistehenden Baumgruppen
  • einen Teil des tropischen Regenwaldes, umgewandelt in Mahagoni- und Teak-Bretter
  • die Baumhaus-Profis aus dieser Fernseh-Show, ich komm grade nicht auf den Namen
  • eine geräumige Yacht vor Ibiza, um dem Stress der Bauarbeiten bis zur Fertigstellung zu entgehen
  • Geschätzte lfd. Kosten / Jahr: 50.000 Euro für Security, 120.000 Euro für Köchin, Gärtner und Reinigungskräfte, 6.000 Euro für die Poolreinigung. Aber ernsthaft, spielt Geld eine Rolle?

Genaue Grundrisse und Baupläne dürfen an dieser Stelle aus rechtlichen und humanitären Gründen nicht veröffentlicht werden. Wenden Sie sich dazu bitte an ein beliebiges Architekturbüro Ihres Vertrauens.

Wissenswertes

Gemäß der letzten BundeswaldinventurOpens in a new tab. (ja, den Begriff gibt es tatsächlich und der wurde dafür verwendet) des Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft ist Deutschland zu ziemlich genau einem Drittel mit Wald bedeckt. Also, die Landmasse von Deutschland; Seen, Flüsse und Meere ausgenommen. Das entspricht einem Bestand von ca. 90 Milliarden (!) Bäumen. Genug Platz also für das ein oder andere Baumhaus, sollte man meinen.

Subtrahiert man von dieser Zahl allerdings

  1. die zur Besiedlung ungeeigneten Bäume (z. B. Tannen, Fichten sowie diese langen, dünnen Dinger ohne Äste, Sie wissen schon),
  2. die Standorte unmittelbar an ungeeigneter oder moralisch verwerflicher Nachbarschaft,
  3. die Jagdreviere von Wölfen, Füchsen, Mardern und Eichhörnchen,
  4. die bereits durch Schwarzbauer, Baumbesetzer und militante Umweltaktivisten belegten Waldviertel,

dann bleibt im Wesentlichen eine niedrige zweistellige Zahl an Bäumen übrig, auf die man sein Baumhaus setzen kann. Die meisten davon in Mecklenburg-Vorpommern.

Es kann sich also lohnen, möglichst frühzeitig seinen Claim im Wald abzustecken. Die besten Plätze sind wie immer schnell vergeben!

 

[DISCLAIMER] Bei diesem Beitrag handelt es sich um Satire, bitte nicht alles ernst nehmen. Vor der Befolgung jeglicher Ratschläge ist die Einschaltung des gesunden Menschenverstandes unbedingt angebracht. Am Ende des Internets gibt es keine Garantie für die Richtigkeit jeglicher Angaben. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Wie wäre es mit dem nächsten Beitrag?

Weitere Vorschläge